Mut zur Gründung heißt nicht, Risiken auszublenden

Vom Immobilienverwalter zum Winzer

Mut zur Gründung heißt nicht, Risiken auszublenden

Vom Immobilienverwalter zum Winzer

  • Von der ersten Idee zur eigenen Weinmarke
  • Leidenschaft, Planung und der richtige Umgang mit Risiken
  • Warum Mut zur Gründung auch klare Entscheidungen braucht

Die Geschichte einer ungewöhnlichen Gründung und was man beim Gründen beachten sollte.

Der Winzer Benjamin Enzmann und sein Bankberater Lars Kleinert tauschen sich oft über Finanzierungslösungen und unternehmerische Entscheidungen aus. Ungewöhnlich war aber die Idee von Benjamin Enzmann, ein eigenes Weingut zu gründen. Aus der Vision wurde Realität und aus einem Immobilienverwalter ein Winzer. Die beiden sprechen über langfristige Zusammenarbeit, unternehmerischen Mut und die Entstehung von BENIQUE.

Benjamin Enzmann ist im Familienunternehmen in der Immobilienverwaltung aktiv. Seine fundierte Ausbildung umfasst einen Bachelor in International Management sowie einen Master im Immobilienmanagement. Neben der Immobilienbranche schlägt sein Herz besonders für den Weinbau: 2023 vertiefte er sein Wissen als Assistant Sommelier und gründete mit BENIQUE seine eigene Weinmarke.

Lars Kleinert leitet die Abteilung Geschäftskunden und Freie Berufe in Stuttgart Süd/Filder und gehört der LBBW bereits seit 35 Jahren an – inklusive zweier Studiengänge. In seiner vielseitigen Laufbahn arbeitete er stets eng mit Unternehmerfamilien zusammen. Privat lebt er mit seiner Familie und seinem Hund in einem Dorf zwischen Stuttgart und Tübingen, genießt die Natur, spielt gerne Golf und teilt mit der Familie Enzmann die Leidenschaft für guten Wein. 

Benjamin Enzmann, bitte stellen Sie sich und Ihre Unternehmen kurz vor.

Benjamin Enzmann: Ich arbeite in unseren Familienunternehmen, der NC Verwaltungs-GmbH und der EN Verwaltung GmbH & Co. KG. Dort managen wir Immobilien, digitalisieren unsere Prozesse und entwickeln unsere Bestände zukunftsfähig weiter. Gemeinsam mit meinem Vater Axel Enzmann habe ich 2023 die Enzmann Winery KG und unsere Weinmarke BENIQUE gegründet. Unsere Reben wachsen in Hagnau am Bodensee, ausgebaut werden die Weine in unserem eigenen Weinkeller in Stuttgart.

Von der Immobilienverwaltung zum Weinbau klingt zunächst nach einem ungewöhnlichen Schritt. Wie entstand die Idee zu BENIQUE?

Benjamin Enzmann: Am Anfang stand kein Plan, sondern ein Gefühl. Ein Abend in entspannter Atmosphäre mit guten Gesprächen. Genau diesen Moment wollten wir festhalten. So entstand BENIQUE, eine Marke, die Eleganz und Einzigartigkeit verbindet. Meine Begeisterung für Wein und die Qualifikation zum Assistant Sommelier, die ich im März 2023 abgeschlossen habe, gaben dieser Idee Schritt für Schritt eine fachliche und unternehmerische Richtung. Unsere Ambition ist es, einen Wein zu kreieren, der nicht nur schmeckt, sondern einen echten BENIQUE-Moment schafft. Für uns beginnt dieser schon vor dem ersten Schluck: mit sorgfältiger Handarbeit im Weinberg, einer schonenden Verarbeitung und einer Gestaltung, die von der Provence und unserem Weinberg inspiriert ist. So sollen Wein, Flasche und Geschichte zusammen ein Gefühl vermitteln, das im Gedächtnis bleibt.

Lars Kleinert, seit wann begleiten Sie die Familie Enzmann?

Lars Kleinert: Im Jahr 2018 haben wir in der BW-Bank ein neues Geschäftsfeld gegründet, das auf die Betreuung von Unternehmerfamilien und deren familiengeführten Unternehmen im Geschäftskundenbereich spezialisiert ist. Im Zuge dieser Neugründung durfte ich die Familie Enzmann kennenlernen.

Sie waren bereits Unternehmer. Hat Ihnen diese Erfahrung den Aufbau von BENIQUE leichter gemacht?

Benjamin Enzmann: Die unternehmerische Erfahrung hat uns sicher geholfen. Wir waren es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und langfristig zu denken. Trotzdem war BENIQUE ein kompletter Neustart. 
Wein ist ein Naturprodukt. Wetterextreme wie Trockenheit oder Hagel sowie Schädlinge können wir nur begrenzt beeinflussen. Wir begleiten den Weg von der Traube bis zur fertigen Flasche über viele Monate. Gleichzeitig entsteht nicht nur ein Wein, sondern auch eine Marke und ein eigener Vertrieb.
Die ersten Erfolge sind natürlich etwas Besonderes. Unser Rosé wurde bei der Falstaff Rosé Trophy 2026 mit 93 Punkten bewertet. Bei der EUROVINO 2026 wurde BENIQUE für die beste Produktgestaltung ausgezeichnet. Das freut uns sehr und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Neben BENIQUE führen Sie weiterhin Ihre Immobilienverwaltung. Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Welten?

Benjamin Enzmann: Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, weil beide Unternehmen ganz unterschiedliche Anforderungen mit sich bringen. Auch die Immobilienverwaltung ist gerade in der aktuellen Zeit mit einigen neuen Themen und Herausforderungen verbunden und verlangt entsprechend viel Aufmerksamkeit. BENIQUE ist dagegen noch einmal eine ganz andere Welt, deutlich kreativer, dynamischer und teilweise auch weniger planbar. Gleichzeitig finde ich genau diesen Wechsel spannend. Vieles, was ich aus der Immobilienverwaltung mitgenommen habe, etwa Organisation, wirtschaftliches Denken und der Umgang mit Kunden, hilft mir heute auch bei BENIQUE. Am Ende funktioniert es vor allem durch eine gute Struktur und klare Prioritäten.

Was haben Sie gedacht, als Benjamin Enzmann nicht mit einem weiteren Immobilienthema, sondern mit der Idee einer eigenen Weinmarke auf Sie zukam?

Lars Kleinert: Erfolgreiche schwäbische Unternehmerfamilien zeichnen sich neben einem großen Zusammenhalt dadurch aus, dass sie ihr eigenes Unternehmen mit höchster Professionalität weiterentwickeln und gleichzeitig bereit sind, sich in neue Felder einzudenken und einzuarbeiten. Gemessen an diesen Werten ist die Familie Enzmann ein Paradebeispiel für den schwäbischen Mittelstand.
Daher war ich auch nicht erstaunt, dass sie sich mit einem Thema außerhalb des Immobiliensektors befasst. Dass sie sich allerdings der Weinproduktion und -vermarktung annimmt, hat mich dann doch überrascht. Es war auch für mich das erste Mal, dass ich eine solche Gründung begleiten durfte. Und es war toll, dass mich die Familie an ihren Überlegungen und Entscheidungen hat teilhaben lassen, auch wenn ich inhaltlich nicht allzu viel beisteuern konnte.

Benjamin Enzmann, welche fünf Tipps würden Sie anderen Gründern aus Ihrer eigenen Erfahrung mitgeben?

Benjamin Enzmann: 

Benjamin Enzmann, braucht es gerade in der heutigen Zeit besonders viel Mut, ein Unternehmen zu gründen?

Benjamin Enzmann: In der heutigen Zeit, in der vieles schwerer planbar geworden ist, braucht es sicherlich Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Für mich bedeutet Mut aber nicht, Risiken auszublenden. Es bedeutet, eine Idee sorgfältig zu prüfen, Verantwortung zu übernehmen und sich dann bewusst dafür zu entscheiden, sie umzusetzen.
Natürlich gibt es Momente, in denen wir uns fragen, ob wirklich alles funktionieren wird. Für mich überwiegt jedoch die Freude, den eigenen Weg zu gehen und etwas aufzubauen, das meine Handschrift trägt.

Lars Kleinert, welche fünf Punkte sind aus Bankensicht entscheidend, damit aus einer guten Idee ein tragfähiges Unternehmen werden kann?

Lars Kleinert:

Ganz herzlichen Dank für das Gespräch. Vielleicht das nächste Mal bei einem Glas
BENIQUE?

Wir freuen uns, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen

Brennen Sie auch für eine Geschäftsidee und wollen daraus ein erfolgreiches Business mit Zukunft machen? Mit dem richtigen Partner an Ihrer Seite klappt das. Ob Businessplan oder Gründungsfinanzierung, erster Pitch oder Exitstrategie – das Team unseres Gründerzentrums steht Ihnen als Sparringspartner zur Seite, stellt die richtigen Fragen und hilft Ihnen, die nächsten Schritte zu planen. Melden Sie sich einfach bei uns!

i